Auf der Webseite haustec.de wurde am 09.02.2022 ein Artikel von Dittmar Koop veröffentlicht. Dittmar Koop ist Journalist für erneuerbare Energien und Energieeffizienz.
Auszüge aus dem Artikel:
Studie: Infrarot ist effizienter und wirtschaftlicher
... wie eine interessante Arbeit in diesem Zusammenhang ein Autorenteam um Timo Leukefeld ausführt. Leukefeld ist Honorar-Professor für das Thema vernetzte energieautarke Gebäude an der BA Glauchau und der TU Freiberg. Er und seine Leute vergleichen in dem 10 Seiten umfassenden Papier ein Luft/Wasser-Wärmepumpensystem mit einem Infrarot-System, also einer Strahlungsheizung (Infrarotheizung). Er kommt zu dem Ergebnis, dass das Infrarot-System sowohl bezogen auf Behaglichkeit und Effizienz als auch bezogen auf die Frage der Wirtschaftlichkeit besser als das Wärmepumpen-System ist. Seit 2025 sollen nur Heizungen mit 65% erneuerbaren Energien eingebaut werden dürfen. Das pusht die Wärmepumpe. Studien und Berechnungsbeispiele zeigen aber: Infrarotheizungen sind eine ernstzunehmende Alternative.
In strombasierten Alternativen denken
Leukefeld resümiert, dass die Infrarot-Variante im Vergleich der Systeme eindeutig die wirtschaftlichere sei, da die Lebensdauer der Wärmepumpe geringer ausfiele als ihre Amortisationszeit und damit eine Amortisation unmöglich wäre. „Wenn die eingesparten Investitionskosten genutzt werden, um das Energiesystem mit einer PV-Anlage und zugehörigem Akku zu erweitern, kann mit der Kombination aus Infrarotheizung, Warmwasserboiler, PV-Anlage und Akku noch wirtschaftlicher agiert werden“, resümiert er weiter. Zu einem ähnlichen Resümee waren auch die Forscher der IR-Studie gekommen. Sie ermittelten ökonomische und ökologische Vorteile eines PV-Infrarot-Systems gegenüber einem Wärmepumpen-Fußbodenheizungs-System: Wenn schon in Kombination mit PV, dann ist das Eigenstrompotenzial (= Bezugsstrom-Ersatzpotenzial) bei IR größer. Allerdings ist auch bekannt, dass Solarstromspeicher bislang nicht die Lebensdauer einer PV-Anlage erreichen und somit in diesem Zyklus wenigstens einmal ausgetauscht werden müssen – was dieselbe Amortisationsfrage aufwirft, wie die zuvor bei der hier diskutierten Wärmepumpen-Kombinationen gestellte und auch grundsätzlich bei allem, was heute über die Regelungstechnik haustechnisch möglich ist.
Als weitere Überlegung ist auch mit einzubeziehen, dass sich der Heiz-Bedarf im Neubau weiter verringert. Ende Januar ist der KfW-55-Standard aus der KfW-Förderung genommen, weil er als neuer Standard angesehen wird. Die Bundesregierung plant im nächsten Schritt, in ein paar Jahren KfW-40 zum Standard zu erklären. Das verschiebt die Anteile und damit den Fokus: Die Warmwasserbereitung gewinnt gegenüber der Heizung planungs- und anlagentechnisch an Gewicht und die IR-Heizung würde damit noch günstiger. Damit ist nicht gesagt, dass in Zukunft wasserbasierte Systeme keine Zukunft mehr haben werden. Aber es ist damit schon gesagt, dass es berechtigte Überlegungen gibt, auch in Alternativen zur Wärmepumpe zu denken.
Infrarotheizung schlägt Wärmepumpe in der Gesamtkostenbetrachtung
Auszug:
Statische Amortisation: Infrarotheizsystem deutlich im Vorteil
Leukefeld berechnet nun die statische Amortisation des Wärmepumpensystems im Vergleich zum Infrarotheizsystem, das heißt, wie viele Jahre bräuchte das Wärmepumpensystem, bis sich die 33.000 Mehrkosten für die Anschaffung amortisiert hätten, dies auf Basis der aktuellen Daten.
Bei den Systemen ohne Photovoltaik sind es 44 Jahre (33.000 Euro geteilt durch 742 Euro Mehrkosten), bei den Systemen mit PV und Speicher 65 Jahre (33.000 Euro geteilt durch 510 Euro Mehrkosten).
„Da Wärmepumpen eine Lebensdauer von angenommen 18 Jahren haben, können sie die Mehrkosten im Laufe ihrer Lebenszeit also gar nicht erwirtschaften“, resümiert Leukefeld. „Durch die deutlich niedrigen Anschaffungs- und Folgekosten schneiden Infrarotheizungen in einem neuen Einfamilienhaus mit den heute gültigen Preisen und Stromkosten in der Gesamtbetrachtung deutlich besser ab.“ Dazu kommt, dass die 33.000 Euro, die bei dem Infrarotheizsystem eingespart würden, noch beträchtliche Erträge erwirtschaften können, wenn sie mit Zinsen angelegt werden. Bei einem Zinssatz von 3,5 Prozent zum Beispiel circa 92.000 Euro in 30 Jahren.
„Selbst wenn wir die Jahresarbeitszahl von 2,8 auf 3,5 heben, dann sinkt die statische Amortisation der Wärmepumpe ohne Photovoltaik und Speichersystem von 44 auf 37 Jahre. Berücksichtigen wir zusätzlich eine PV-Anlage und einen Stromspeicher, dann sinkt die statische Amortisation von 65 auf 47 Jahre. Das ist immer noch unvorteilhaft für die Wärmepumpe“, ergänzt Leukefeld.
„Wärmepumpen sind günstiger geworden, Infrarotheizungen auch“
Interessant ist auch die Kostenentwicklung für die Heizungen in den vergangenen zwei bis drei Jahren. „Die gute Nachricht ist: Wärmepumpen sind wesentlich günstiger geworden. Die schlechte Nachricht: Infrarotheizungen auch“, sagt Leukefeld mit einem Augenzwinkern. „Auch der Strompreis ist wieder gesunken. Je stärker der Strompreis sinkt, desto mehr verbessert sich die Wirtschaftlichkeit des Infrarotheizsystems im Vergleich zum Wärmepumpen-Gesamtsystem.“ Dazu kommt: Wird noch mehr preiswerter Solarstrom eingesetzt, verschlechtert sich die Amortisationszeit des Wärmepumpensystems gegenüber dem Infrarotheizsystem noch weiter. Zudem werden Gebäudehüllen immer besser, die Winter wegen des Klimawandels immer milder, so dass das Heizen mit Neubau immer mehr an Bedeutung verliert.
Graue Energie im Vergleich
Den Kostenvergleich rundet Leukefeld mit einem Blick auf die Graue Energie, also die gesamte Energie von der Herstellung bis zur Entsorgung von Produkten, beider Systeme ab. Auch hier schneidet das Infrarotheizsystem deutlich besser ab. Dies ist unter anderem in der Anzahl der Einzelteile begründet. Ein Wärmepumpensystem mit Wärmeverteilsystem besteht aus deutlich mehr Komponenten als die Infrarotheizungen, die bloß an die Steckdose angeschlossen zu werden brauchen. Dadurch fallen schon in der Herstellung wesentlich mehr CO2-Emissionen für das Wärmepumpensystem an als für das Infrarotheizsystem. Das setzt sich beim Transport fort: Das Wärmepumpensystem muss in einem kleinen Lastkraftwagen angeliefert werden, das Infrarotheizsystem mit dem Warmwasserboiler passt in einen PKW-Kombi. „Es ist fraglich, ob der Rucksack an grauer Energie des Wärmepumpen-Gesamtsystems im Laufe der Lebensdauer überhaupt jemals wieder abgebaut werden kann“, sagt Leukefeld. Das wird stark abhängig sein von der Annahme zum zukünftigen deutschen Strommix. Je „grüner“ der bezogene Strom wird, desto schwieriger wird es für die Wärmepumpe, den Rucksack abzusetzen.Als Fazit hält er fest: „Viele schauen nur auf die Effizienz, betrachten aber nicht das gesamte Aufwand-Nutzen-Verhältnis inklusive der Lebensdauer von Komponenten mit dem nötigen Ersatz oder die Folgekosten für Wartung und Instandhaltung. Wir hoffen, dass wir mit unserem Kostenvergleich zeigen können, dass es ratsam ist, die Gesamtkosten zu betrachten. Im Neubau sind Infrarotheizungen vor allem in Kombination mit Photovoltaikanlagen wirtschaftlich und ökologisch nicht zu toppen.“
Quelle: Vergleich Infrarotheizung schlägt Wärmepumpe in der Gesamtkostenbetrachtung